Symbole&Kirchenraum

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Autor: Eckhard Bieger S.J.
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B. Richter nach Vorlage von R. Jouaux


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Zahlen



Wir ordnen Zahlen oft schon spontan einen Sinn zu: Die zehn Finger unserer Hände, die zwei Geschlechter von männlich und weiblich, die Zahl zwölf, die den Tag in Stunden bzw. das Jahr in Monate strukturiert. Die sieben Wochentage prägen unser Empfinden. Die Zahl 13 gilt als Unglückszahl.
In früheren Jahrhunderten war die symbolische Bedeutung der Zahlen noch viel mehr im Bewusstsein. Zahlen bedeuten auch Ordnung. Bereits in ihren astronomischen Beobachtungen suchten die Babylonier und Ägypter in den Zahlen die Ordnung des Kosmos. Das Wissen ging an die Griechen über. Plato schreibt im Timaios: "Der Bau (des Kosmos) entsteht durch Festsetzung der Quantitäten gemäß den vollkommenen geometrischen Proportionen, denselben Proportionen, die auch die Zusammensetzung der Weltseele bestimmen. Infolge dieser Zusammensetzung ist der Körper der Welt, der aus den vier Urstoffen besteht und deren Mengen nach den vollkommen Verhältnissen bemessen und miteinander verbunden, in Harmonie und Einklang mit sich selbst und wird daher niemals von Auflösung durch eine innere Disharmonie seiner Teile bedroht. Das Bindemittel sind die geometrischen Proportionen." Diese Vorstellung vom Bau des Kosmos ist auch in die späten Schriften des Alten Testaments übergegangen. Im Buch der Weisheit heißt es in Kap. 11,20: "Du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet." Über die Schule von Chartres haben diese geometrischen Zahlenverhältnisse den Kirchbau des Mittelalters in seinen Maßverhältnissen bestimmt. Die bereits von Pythagoras genannten Zahlenverhältnisse 1:1, 1:2, 2:3 und 3:4 liegen den Abmessungen von Höhen und Breiten zu Grunde und zugleich der Musik des einstimmigen Choralgesangs. 1:1 die Prim. 1:2 die Oktav, 2:3 die Quint, 3:4 die Quart. Die Terz 4:5 wird in der Gregorianik nicht eingesetzt.
In der christlichen Ikonographie kommt der Drei, der Acht und der Zwölf eine besondere Bedeutung zu.

  • Eins: Sie steht für Ungeteiltheit, ist Wurzel aller anderen Zahlen und damit für Gott.

  • Zwei: Die Zwei steht einmal für Paare, Adam und Eva, Kain und Abel, und, ein häufiges Motiv des Mittelalters, für die mit verbundenen Augen dargestellte Synagoge, der die Kirche, "Ekklesia", die den Messias erkannt hat, gegenüber gestellt wird. Häufig wird eine neutestamentliche Person mit einer alttestamentlichen in Beziehung gesetzt. Jesus ist der neue Moses, Maria die neue Eva. An den Portalen von Kathedralen stehen Apostel auf den Schultern alttestamentlicher Propheten.

  • Drei: Das Dreieck galt schon bei den Griechen als Symbol für die Gottheit. Im Barock wird das Dreieck Symbol für den dreifaltigen Gott. Augustinus ordnet die Drei der Seele, die Vier dem Leib zu. Die Drei wird auch auf die drei Tage bezogen, die Jesus im Grab und, als alttestamentliche Analogie, Jona im Bauch des Fisches waren. Es gibt weiter drei theologische Tugenden, Glaube, Hoffnung und Liebe.

  • Vier: Diese Zahl symbolisiert die Welt, die vier Himmelsrichtungen, die vier Jahreszeiten. Dass die Menschen einem von vier Charaktertypen (Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker, Melancholiker) zugeordnet werden können, ist wohl in ähnlicher Weise von der Zahl Vier hergeleitet wie die vier Elemente Wasser, Feuer, Erde, Luft. So wurde dann auch der Name Adam gedeutet, der aus vier Buchstaben besteht. Es gibt vier Evangelisten und vier große Propheten, deren Schriften bis heute tradiert werden: Jesaja, Jeremias, Ezechiel, Daniel.

  • Die Zahl fünf, sternförmig gebildet aus fünf Dreiecken, findet sich in mittelalterlichen Kathedralen. Nach Pythagoras steht die Fünf für den Mikrokosmos. Der Mensch verfügt über fünf Sinne. Es gibt die fünf Bücher des Moses: Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium. Mit fünf Broten hat Christus viertausend Menschen gesättigt. (Markus 6, 38) Es gibt fünf kluge und fünf törichte Jungfrauen (Matthäus 25, 1-13) Jesus trägt fünf Wundmale, die im Wappen von Portugal mit fünf Schilden und fünf Tropfen Blut aufgenommen werden. Es gibt ein fünftes Element, die Quintessenz (quinta heißt lateinisch fünf)

  • Sechs: An sechs Tagen hat Gott die Welt geschaffen, am siebten ruhte er. Die Sechs ist die Summe der drei ersten Zahlen. Es gibt sechs Werke der Barmherzig: Hungernde speisen, Durstigen zu Trinken geben, Fremde aufnehmen, Nackte kleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen.

  • Sieben: Sie bildet sich aus der Drei und der Vier. Wenn die Drei für das Göttliche steht und die Vier für die Welt, vereint die Sieben Himmel und Erde. Dem entspricht im Judentum der siebenarmige Leuchter. Am siebten Tag ist das Werk der Schöpfung abgeschlossen, indem Gott nicht merh schafft, sondern die Schöpfung betrachtet. Der Mensch soll sich dem Verhalten Gottesanschließen und auch am 7.Tage ruhen. So gibt es die sechs Wochentage, die im Schöpfungsbericht grundgelegt sind. Das deuteronomistische Geschichtswerk, das die Bücher Deuteronomium, Samuel und die der Könige umfasst, ist durch die Zahl Sieben gegliedert. Die Weisheit hat sieben Säulen errichtet. Es gibt sieben Gaben des Heiligen Geistes, sieben Bitten im Vater Unser, sieben Sakramente, sieben Todsünden, denen die drei theologischen und die vier Kardinaltugenden entsprechen. Auch dem Stundengebet liegt die Siebenzahl zugrunde
    In der Offenbarung des Johannes finden sich im ersten Teil Briefe an sieben Gemeinden in Kleinasien.

  • Acht: Diese Zahl bekommt im Christentum eine besondere Bedeutung, weil Jesus einen Tag nach dem Sabbat, dem siebten Tag der Woche, von den Toten auferstanden ist. Der achte Tag ist damit der Beginn der neuen Schöpfung. Während die Sieben die gesamte menschliche Existenz umfasst, wird sie durch die "Acht" überboten. Acht ist im Oktogon oder im achteckigen Taufbecken Ausdruck der Vollendung. Am achten Tag nach Ostern erschien Jesus Thomas, denn die Juden zählen das erste Glied einer Reihe mit. Es gibt die acht Töne des gregorianischen Chorals, man findet häufig Blumen mit acht Blütenblättern dargestellt, einen Stern mit acht Strahlen.

  • Neun: Es gibt neun Engelchöre, durch neun Sphären gelangt nach Vorstellung der Griechen die Seele in den Himmel.

  • Zehn: Die Zahl wird als X, das dem griechischen Chi: X entspricht, gezeichnet. Die 10 stellt nicht nur die 10 Finger dar, sondern umfasst auch die Gebote. Da sie aus 1+2+3+4 gebildet wird, steht die 10 für Vollkommenheit, sie stellt eine Grenze dar, weil sie die Eins enthält und die Null, damit Anfang und Ende markiert. Die Harfe Davids hatte 10 Saiten.

  • Elf: Diese Zahl steht für die Sünde, denn sie liegt jenseits der 10 Gebote. Nach dem Verrat des Judas gibt es nur 11 Apostel.

  • Zwölf: Die Zahl steht für die Monate und wohl daraus abgeleitet für die zwölf Stämme Israels, die im neuen Bund durch die zwölf Apostel repräsentiert werden. Zwölf Säulen finden sich daher oft im Chor gotischer Kathedralen und stehen für die Apostel, auf denen das Gebäude, d.h. die Überlieferung von Jesus Christus, ruht Apostelleuchter. Zwölf mal Zwölftausend bedeutet "riesengroß" und ist die Zahl der in den Himmel Aufgenommenen. Die Zahl 12 bestimmt die himmlische Stadt (Offenbarung 21), sie hat 12 Tore, die Länge einer Seite des Quadrats beträgt 12.000 Stadien, 12x12 Ellen sind die Mauern hoch. In den Mauern finden sich 12 Edelsteine, die in den gotischen Glasfenstern wieder aufscheinen.

  • Dreizehn: Wie die 11 liegt die 13 hinter einer vollkommenen Zahl, nämlich der Zwölf. Im Judentum hat die Zahl 13 eine besondere Bedeutung, denn im persischen Reich wurde am 13. des 12. Monats unter dem König Xerxes ein Judenprogrom durchgeführt, das in seiner Schärfe durch die Jüdin Esther aufgehalten wurde.

  • Vierundzwanzig ist die Überhöhung der Zwölf, 24 Älteste werden in der Geheimen Offenbarung erwähnt.

  • Fünfzig: Die Zahl steht für Pfingsten, Pentacoste, der 50. Tag nach Ostern, wenn man den Ostertag in der Zählung mitrechnet, sind es sieben Wochen, das sog. Siebenwochenfest der Juden, ursprünglich ein Erntefest.

  • 144: Aus 12x12 gebildet, bedeutet sie größte Fülle und Vollendung.

 

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